11. 7. Reise auf der Mosel, von Traben-Trarbach km 106 nach Treis-Karden km 41.
Nachdem ein Mechaniker von Boote Polch unsere verstopfte Toilette in Ordnung gebracht hat, beginnt unsere Reise kurz nach 10 Uhr, mit erstem Halt in Treis-Karden.
Bei der Schleuse Fankel verbringt eine Schwanfamilie ihre Mittagsmahlzeit bei uns am Boot, um dann rechtzeitig mit grünem Licht noch vor der Berufsschiffahrt in die Schleusenkammer zu manövrieren: routiniert fährt die 8-köpfige Familie mit zu Tal. Wir sind in der nautischen Welt angekommen
Der neue Volvo Penta D4-Motor gibt der Arcena den vollendeten Schwung, strahlender Sonnenschein begrüßt uns auf der Mosel , die Flaggen wehen im Fahrtwind und der Kapitän bringt den Motor auf Marschfahrt, führt das Boot zu seinem ersten Tanz auf dieser Reise.
In Treis-Karden melden wir uns beim schwimmenden Restaurant an und bekommen einen Liegeplatz zugeteilt mit Strom und Wasseranschluss – Wäsche waschen ist beim Campingplatz möglich, Jetons kauft man bei der Rezeption. Im Kern des kleinen Weinortes stellen wir unser Kunsthandwerk aus.
12.7. Reise nach Oberwinter am Rhein, km 639.
Kurz vor der Mittagszeit passieren wir das Deutsche Eck in Koblenz und fahren von der Mosel auf den Rhein. Wir essen bei kräftigem Wellengang, es herrscht viel Schiffsverkehr.
Der Yachthafen in Oberwinter ist groß, neu hergerichtet und sauber. Es gibt eine Bootstankstelle bei der Hafeneinfahrt vor dem schwimmenden Clubhaus, dort werden wir vom Chef persönlich bedient. Wasser- und Stromanschluss sowie Duschen und Waschmaschine funktionieren mit Einwurf on 50 cent bzw. 1 € Münzen. Außer uns sind nur wenige andere zu Gast.
13. 7. Fahrt von Oberwinter nach Hitdorf, Rhein-km 707.
Während der Fahrt kommt Wind auf und Regen. Starker Wellengang. Schon nach etwa zwei Stunden sind wir da, und die Steganlage D, an der wir anlegen, ist nicht bedient. Es gibt mehrere Anlagen im Hafen, die verschiedenen Clubs zugehörig sind. Nach etwas Suchzeit finden wir ein bewirtschaftetes Clubhaus des DMYV Hilden, ziehen um an deren Steg. Es gibt Strom und Wasser, den Schlüssel für die Duschen im Clubhaus legen wir in einen Briefkasten bevor wir abfahren.
14.7. Fahrt nach Duisburg, Rhein-km 776,6 + 3 km .
Auf dieser Strecke sehen wir verstärk Industrie am Rhein, Raffinerien und Pharmazeutische Fabriken. Erhöhte Aufmerksamkeit bei der Suche der Einfahrt zum langen Vorhafen Duisburgs: Zwischen den Fabriken und Binnenschiffen ist sie schwer zu sehen. Als Talfahrer schwenken wir hart Steuerbord in den Kanal, ein Betonbecken mit hohen Wänden, in dem Arbeitsboote und Touristenschiffe liegen, Bagger rangieren. Telefonisch melden wir uns bei der Marina Duisburg an und erhalten Anweisung, durch den Vorhafen in das hinterste Becken zu fahren. Dort werden wir freundlich begrüßt, tanken Diesel bekommen einen Liegeplatz.
Die Steganlage ist recht neu; eine Holz- und Betonkonstruktion, über der eine Fußgängerbrücke schwebt , zu der man über einen langen, rollstuhlgerechten und aufwärtsführenden Steg gelangt. Natürlich gibt es ein Eingangstor am oberen Ende des Steges, zu dem wir denselben Chip benutzen wie für die Sanitären Anlagen. Hinter der Marina hat man Ausblick auf den ehemaligen Holzhafen in Form einer Arena. Geht man über die Fußgängerbrücke, ist man in wenigen Minuten in der Duisburger Innenstadt, und nach der anderen Seite hin gibt es ebenfalls gute Einkaufsmöglichkeiten. Am Hafen befindet sich ein abends bunt beleuchtetes Holocaustdenkmal. Hinter dem Holzhafen gibt es ein stillgelegtes Hafenbecken, das geflutet und aufgestaut nunmehr einem See gleicht, an dem zahlreiche Restaurants liegen. Hier stellen wir, mit freundlicher Erlaubnis eines Restaurantbesitzers, an der Promenade unser Kunsthandwerk aus.
Unsere Toilette muss ausgetauscht werden, und wir finden in der Nähe des Hafens einen Bootsausrüster, der uns eine neue Toilette einbaut und die kaputte mitnimmt und zurücksendet.
Vorher haben wir noch einen Portapotti gekauft , der nun erstmal mitreist und über dessen Verwendung wir uns später beraten wollen. Den verlockenden Gedanken, ihn auf dem Beiboot einzusetzen, verwerfen wir dann doch…
Zwei Tage sind wir in Duisburg, und am Hang der Marina Pflücken wir Brombeeren während der Bauarbeiten an Bord.
18.7. Reise nach de Bijland, Holland. Rhein-km 864,5.
Der letzte Handgriff des Toiletteneinbaus ist am frühen Vormittag getan. Wir legen ab, fahren die 3 km durch den Vorhafen und stoßen wieder auf den Rhein, der an diesem Tag von einer steifen Brise aufgeweht wird. Es ist kein Zwischenstopp geplant: wir entscheiden uns für Butterbrote zum Mittagessen.
Am Nachmittag erreichen wir de Bijland, Einfahrt RU, eine Tankstelle gleich zur Linken.
Von dort aus geht es quer über einen See zum Yachthafen de Bijland, der recht gut besucht ist. Doch es gibt Platz für uns.
Der Hafenmeister schickt uns zu einer Dame auf einem benachbarten Boot, bei der wir Jetons für die Duschen kaufen. Es gibt mindestens drei Gebäude mit sanitären Anlagen. Außerdem kann man vom Hafenmeister einen Schlüssel erhalten für den Waschraum mit Waschmaschine und Trockner. Im Restaurant des Yachtclubs sind wir mit unserer Kunsthandwerksausstellung willkommen, es wird sogar eine Tafel am Hafen aufgestellt, die uns ankündigt.
Im kleinen Ort, in etwa 15 Minuten zu Fuß erreichbar, gibt es Lebensmittel zu kaufen.
Das Wassersystem an Bord macht etwas Schwierigkeiten seit dem Einbau der neuen Toilette, und wir rufen den Elektriker an der sie eingebaut hat, der ohne zu zögern den Weg nach de Bijland fährt und an der Wasserzuleitung der Toilette ein Rücklaufventil einbaut. Wir sind froh über den Service. Ab hier funktioniert die Toilette einwandfrei, und das Wassersystem auch.
19.7. Fahrt nach Tiel, Waal, km 914,7 RU.
Die Arcena steuert vom de Bijlander See wieder auf den Rhein weiter talwärts; dieser teilt sich nach etwa zwei km und wir fahren nach links auf die Waal. Hier gibt es Sandstrand, und Kühe und Pferde gehen darauf. Jetzt sind wir richtig in Holland, schalten die Sprechfunkanlage auf Blockkanal. Bald kommen wir nach Tiel, in einen gemütlichen, gut geschützten Hafen. Es gibt ein Clubhaus mit frisch renovierten Duschen. Für Strom und Wasser werden Münzen benötigt.
20.7. Reise nach Dordrecht. Km 977,2.
Unsere Route führt entlang der Boven Merwede , dann Beneden Merwede und Oude Maas. Abzweigungen sind beschildert. Zwischen der Berufsschiffahrt zu navigieren ist Konzentrationsarbeit, hohe Wellen schaukeln uns durch: einmal geraten wir zwischen zwei Binnenschiffen beinahe mit dem Bug unter Wasser !
Am Ufer sind die ersten Windmühlen zu sehen, und kleine Festungsstädtchen. Sogar die Arche Noah erblicken wir einige Kilometer vor Dordrecht .
Bei km 977,2 fahren wir backbords in den Kanal zum Nieuwe Haven , Dordrecht. Schon befinden wir uns mitten zwischen kleinen, eng aneinander gebauten Häusern, die direkt aus dem Kanal ragen. Über Funk bitten wir bei der Engelsebergbrug um Einlass in den Yachthafen. Links von uns liegt ein Feuerwehrschiff, auf der rechten Seite sitzt ein Mann am Fenster und malt. Dann wird die Brücke nach oben geöffnet. Wir fahren ein und legen uns an den Meldesteiger.
Der Hafenmeister öffnet, nachdem wir uns angemeldet haben, von Hand eine kleine, hübsche Fußgängerbrücke, die den Yachthafen in der Mitte teilt: dahinter liegt der uns zugewiesene Platz.
Eineinhalb Tage bleiben wir in Dordrecht, nehmen zwei weitere Besatzungsmitglieder an Bord und erkunden die Altstadt zu Fuß.
Zum Duschen oder Wäsche waschen macht man einen kleinen Spaziergang über die Fußgängerbrücke und anliegende Gässchen zum Hafengebäude.
Am Abend vor der Abreise bestellen wir beim Hafenmeister eine Zeit für die Öffnung der Fußgängerbrücke. Die Engelsebergbrug wird ab 8 Uhr jede volle und halbe Stunde für 10 Minuten bedient.
22.7. Fahrt nach Tholen, Rhein-Schelde-Verbindung.
Kurz nach 8 Uhr haben wir beide Brücken passiert und steuern nun links von der Hafenausfahrt ein Tankschiff an, wo wir Diesel vorbestellt haben. Gerade hat sich ein Binnenschiff installiert und belegt die volle Länge des Tankschiffs- wir bekommen Erlaubnis, an dem Binnenschiff festzumachen und den Tankschlauch quer über dessen Deck zu uns herüberzuziehen.
Es ist schon voller Berufsverkehr im Gange auf der Oude Maas und unser Tankstopp gerät zum Abenteuer als Zwerg zwischen den beschäftigten Riesen, bei ordentlich Wellenschlag und auf rutschigem Deck. Wir legen nach geglücktem Tankmanöver rasch ab, bei km 980 fahren wir nach Backbord auf die Dordtsche Kil.
Hier ist das Fahrwasser bedeutend breiter. Erste Übersee-Containerschiffe kommen uns entgegen. Weiter südlich stößt die Dordtsche Kil auf die Hollendisch Diep, die so breit ist, dass wir als Orientierung zusätzlich zu den roten und grünen Bojen den Kompass zur Peilung benutzen. Außerdem haben wir Seekarten von der Region. Wir halten uns in Richtung Nord Hellegat und finden zur Jachtensluis am Volkerrak. Von hier aus Navigation über den Noord Volkerrak zur Zuid Vlie und auf den vergleichsweise engen Kanal der Schelde-Rhein-Verbindung!
Wir essen zu Mittag während der Fahrt auf dem Kanal, und schließlich erreichen wir Tholen. Die Einfahrt zum Yachthafen ist durch gelbe Bojen markiert.
Versehentlich legen wir uns an einen Steg, der ein gutes Stück entfernt ist vom eigentlichen Besuchersteg.
So haben wir wiederum einen kleinen Spaziergang zu machen wenn es ans Duschen geht- es weht stets ein frisches Lüftchen, und der Weg bietet eine interessante Aussicht auf den ehemaligen Fischereihafen und den Deich, der das kleine Städtchen umgibt.
Wir liegen auch den darauffolgenden Tag in der ehemaligen Festung Tholen. Früher lag es am Meer und hatte eine Fischindustrie, heute liegt es am Kanal der Schelde-Rheinverbindung. Im Ort entdecken wir zwei restaurierte Windmühlen, die zur Besichtigung offen sind. Das Glockenspiel des alten Rathauses klingelt stündlich über die Dächer.
24.7. Fahrt zum Hafen von Antwerpen.
Einige Kilometer nach der Ausfahrt von Tholen wird die Rhein-Schelde-Verbindung breiter. Nach Westen hin führt eine Schleuse hinaus aufs Meer. Wir halten Kurs nach Süden und nehmen die Doppelschleuse Kreekraksluis. Schon wenig später erreichen wir die Grenze zum Antwerpener Hafen: Die Erlaubnis zur Durchfahrt ist über UKW-Kanal 2 zu erfragen. Für Motorboote ist die Passage kostenfrei, doch es wird jedem Boot eine Nummer zugeteilt, die bei Verlassen des Hafenbereichs anzugeben ist – sonst Bußgeldstrafe. Diese Nummer sollen wir bei der Anmeldung in der Willemdok Marina entgegennehmen, die wir ansteuern.
Nachdem wir grünes Licht erhalten haben, durchfahren wir in rund zwei Stunden den Hafen in seiner gesamten Länge. Er ist unglaublich groß und voller Betrieb, mit Seeschleusen, Werften, Reparaturdocks, und zahlreichen Hafenbecken die von der Hauptlinie abzweigen. Viele der Seefrachtschiffe laufen unter Flaggen, die wir noch nie gesehen haben.
Durch den Havendok und Amerikadok erreichen wir die Siberiabrug. Via Sprechfunk erbitten wir deren Öffnung; anschließend passieren wir den Kattendijkdok, in dem kleinere Arbeitsboote und Passagierschiffe liegen. Die letzte Hebebrücke vor der Willemdok Marina, die Londenbrug, wird alle 1 ½ Stunden bedient, was für uns etwas Wartezeit bedeutet.
Bei der Ankunft im Willemdok empfängt uns der Hafenmeister mit seinem Motorschlauchboot und führt zu einem Liegeplatz. Im Büro erhalten wir unsere Hafen-Durchfahrtsnummer und einige gute Auskünfte zu Erledigungen in der Stadt, sowie einen Stadtplan.
Drei Tage sind wir in Antwerpen. Die Vorräte an Bord werden aufgefüllt, Gas und Lebensmittel.
Für die geplante Fahrt durch Flandern benötigen wir eine Vignette, die kaufen wir beim
Vlaamse Overheidsdienst
Lange Kievitsstraat 111-113, Antwerpen .
Es ist Wochenende, die Stadt ist voller Menschen. Auf dem Platz vor der Kathedrale findet ein großer Lebensmittelmarkt statt, die Cafés und Restaurants sind gut besucht. Eng gebaut ist die Altstadt, bis an die Außenmauer der riesigen Kathedrale drängen sich die kunterbunten Häuser. Viele wunderschöne Bauwerke gibt es zu bestaunen; so sind der Hauptbahnhof und der Platz davor einen Besuch wert, auch ohne Reiseabsichten. Die Stadt ist laut, schmutzig, bunt, voller Sehenswürdigkeiten.
Vom Dach des neueröffneten Museums am Willemdok hat man gute Aussicht über die Hafenanlage um den Kattendijkdok, Willemdok und auch die Royersluis und die Schleife der Zeeschelde, auf der wir unsere Fahrt fortsetzen wollen.
Am Nachmittag vor unserer Abreise tanken wir bei einem Tankboot vor dem Hafengebäude und melden uns an für die Passage der Londenbrug am nächsten Morgen.
28.7. Fahrt nach Brüssel, Brüssel-Scheldekanal.
Zwei unserer Gäste haben sich von Bord verabschiedet, von Antwerpen aus treten sie die Heimreise nach Schweden an. Wir auf der Arcena verlassen gegen 9 h gemeinsam mit einer Gruppe von Booten den Willemdok, passieren Londenbrug und Siberiabrug und melden uns über UKW-Funk bei der Royersluis – wir vergessen nicht, unsere Nummer vom Antwerper Hafen anzugeben. Es kommt Bescheid, mit den anderen Sportbooten abzuwarten, bis die Berufsschiffahrt geschleust wurde. Ein Binnenschiff nach dem anderen fährt in die Kammer, eine gute halbe Stunde vergeht, bevor uns die Meldung erreicht, dass auch die Sportboote noch mitsollen: die Schleuse ist zum Brechen vollgepackt mit Schiffen, jeder Zentimeter wird genutzt, sämtliche Besatzungsmitglieder sind damit beschäftigt die Boote mit Seil, Haken und Händen auf Position zu halten – obwohl die Fallhöhe nur etwa 3 m beträgt, dauert es beinahe eine Stunde, bis das Schleusenmanöver vollständig abgeschlossen ist. Die Arcena gelangt als erstes Sportboot hinaus auf die Zeeschelde.
Wir nehmen Kurs weiter südwärts, steuern die Wintam-Seeschleuse an. Bergfahrt. Unsere Flandern-Vignette wird direkt überprüft , dann werden wir in Flandern willkommen geheißen!
Am Yachthafen Klein Willebroek, der ursprünglich als Stop geplant war, fahren wir vorbei: Wir wollen am selben Tag nach Brüssel. Der schnurgerade Brüssel-Schelde-Kanal wird hauptsächlich von Berufsschiffen befahren. Eine Anzahl von Hebebrücken ist zu durchfahren, für uns nur in Gemeinschaft mit einem Binnenschiff. In Zemst haben wir eine weitere große Schleuse zu meistern. Gegen 15 h erreichen wir den Royal Yachtclub von Brüssel.
Am Liegeplatz, den wir zugewiesen bekommen, befindet sich der Landgang parallel zum Ufer, ein gutes Stück im Wasser befinden sich Pfeiler zum Festmachen: Die Nase des Bootes schaut zur Landseite, am Heck befestigen wir zwei 20m-Leinen, legen diese um die Pfeiler und seilen uns vorwärts, bis wir stabil liegen und dann noch zwei Leinen an Land festschlagen können.
Der Hafenmeister kassiert die Bezahlung für zwei Nächte und lädt uns auf die dritte Übernachtung ein, gibt einen Stadtplan aus und gibt Erlaubnis, die bei den Duschen im Clubhaus befindliche Waschmaschine zu benutzen. Mit der Tramlinie 3 ist man in gut 20 Minuten in der Brüsseler Innenstadt, die prunkvoll daherkommt mit reich verzierten und mit Statuen bestückten Gebäuden und Domkirche.
Es ist Sonntag. Die Schleusen öffnen 10 h 30. Der Kanal führt mitten durch Brüssel, und hier kommen wir schon bald zur ersten einer Anzahl Schleusen für den heutigen Tag. Hier gibt es wenige oder keine Klampen in den Schleusenwänden: Wir verwenden zwei 25 m-Leinen, die vom Personal an der Schleuse nach oben geangelt und um die Poller gelegt werden.
Mit den langen Leinen zu hantieren bedarf etwas Übung, doch wir finden bald eine passende Technik: meist reichte eine einzige aus, die an der Heckklampe festgeschlagen, dann über den Poller an Land gelegt wird. Zurück auf Deck, um die Bugklampe gelegt und von hier aus die Leine strammen und nach und nach einholen bzw. nachgeben. Manchmal kommt der Bootshaken zusätzlich zum Einsatz.
Bei der Schleuse bei Ittre liegen mehrere Boote in der Schleuse still, bis auch der letzte eine formelle Rechnung für die Fahrt durch Wallonien erhalten hat. Für Sportboote ist diese kostenfrei, doch die Rechnung ist Pflicht.
Als letzte Herausforderung für diesen Tag erwartet uns der Schienenaufzug von Ronquières; wir kommen gerade rechtzeitig für die letzte Fahrt an diesem Tag. In einer voll mit Booten gefüllten „Badewanne“ geht es etwa zwei Kilometer schräg aufwärts. Es ist heiß, die Sonne brennt, die Aussicht geht weit über das Land, eine landwirtschaftliche Gegend. Der Aufzug selbst ist eine beeindruckende Konstruktion mit riesigen Gegengewichten , die unter den Schienen verlaufen.
Nach weiteren 15 km erreichen wir den Wassersporthafen ADEPS bei Séneffe. Hier ist es ruhig, der Hafen ist idyllisch gelegen mit einem neuen Clubhaus. Kinder üben Segelboot fahren in kleinen Jollen.
Hier machen wir einen Tag Rast, haben Zeit im 3 km entfernten Ort Butangas zu kaufen und auch für Haareschneiden auf der Brücke und Spaziergänge.
2.8. Fahrt nach Jambes/ Namur, Sambre/la Meuse. Talfahrt.
Um 9 h nehmen wir die Schleuse Viesville gemeinsam mit einigen anderen Yachten. Es ist warm und still. Bald kommen wir nach Charleroi, vorbei an großen stillgelegten, rot rostigen Fabriken, über den Kanal führen Rohre und andere Stahlkonstruktionen, und kein Mensch ist zu sehen. Mitten in dieser bizarren Umgebung stößt der Kanal auf die Sambre. Wir biegen nach links ab, weiter zu Tal.
Durch zwei Schleusen manövrieren wir in der „Geisterstadt“, zwar werden diese in Gang gesetzt auf unsere Anfrage, doch niemand spricht mit uns… Vorbei an Schrottplätzen und weiteren Fabriken verlassen wir schließlich die Gegend von Charleroi. Als wir am Abend zur letzten Schleuse vor Jambes kommen, ist diese schon geschlossen. So liegen wir über Nacht vor der Schleuse und leeren den Kühlschrank, denn es gibt hier keinen Stromanschluss.
3.8. Jambes/Namur, la Meuse.
Am frühen Morgen vollenden wir unsere Talfahrt auf der Sambre, tanken beim Yachthafen in Jambes und finden dort einen Liegeplatz. Für 15 € Pfand wird ein Schlüssel für Duschen, Strom und Wasser ausgegeben. Unweit des Hafens gibt es Einkaufsmöglichkeiten und einen Waschsalon. In einer Passage in Namur sind wir mit unserer Ausstellung willkommen. Es regnet den gesamten Tag.
4.8. Fahrt nach Givet/Frankreich. La Meuse.
Ab Namur fahren wir zu Berg. Die Schleusen sind flach. Selten beträgt die Fallhöhe mehr als 2 m. Schnell und glatt geht die Reise auf diesem Abschnitt für uns, sonnig ist das Wetter. Zuerst schleusen wir gemeinsam mit einem Binnenschiff, irgendwie quetschen wir uns mit in die Kammer, vor oder hinter das Schiff- bis ein Schleusenwärter beschließt, dass es zu eng wird. Wir müssen eine Schleusung pausieren und haben ab da die Kammern für uns. Bei der Schleuse les 4 Cheminées an der französischen Grenze kaufen wir eine Vignette für Frankreich. Wir bekommen auch eine Fernbedienung für die folgende Schleusenkette. Bei Toul sollen wir sie wieder abgeben.
In Givet befindet sich der Yachthafen im Strom der Meuse. Das Boot wird gut vertäut damit es sich nicht überraschend losreißt. Am Abend schüttet es wie aus Eimern. Wie gut ein Dach über dem Kopf zu haben!
5.8. Fahrt nach Bogny.
Vor den folgenden Schleusen befindet sich eine gekennzeichnete Tafel , auf die die Fernbedienung gerichtet wird. Blinkt das gelbe Licht oberhalb, wird die Schleuse vorbereitet. In der Kammer startet man selbst den Mechanismus durch Ziehen an einer blauen Stange in der Mitte. Die rote Stange daneben ist ausschließlich für Nothalt! Viele und hohe Algen wachsen hier im Wasser. Etwas scheint sich um die Bootsschraube gelegt zu haben, denn auf einmal geht das Getriebe nur noch ruckend und mit wenig Kraft. Auf den Karten beginnen wir nach einer Werkstatt zu schauen für einen eventuellen Propellerwechsel, können aber keine finden. Also fahren wir und hoffen dass das Problem sich von selbst löst.
Bei verschiedensten Wetterlagen seilen wir uns durch 13 Schleusen an diesem Tag. Manchmal klemmt der Mechanismus, dann ruft man über eine Sprechanlage am –unbesetzten-Schalterhäuschen das Personal herbei und wartet, bis ein Techniker mit dem Auto kommt und die Schleuse in Gang bringt.
In Bogny ist bei unserer Ankunft nur noch ein halbes Plätzchen frei, doch mit einer improvisierten Anlegekonstruktion bekommen wir die Arcena gut festgemacht. Das Liegen ist kostenfrei, und erfreulicherweise gibt es Wasser und Strom. Wir verbringen einen ruhigen, sonnigen Abend in dem kleinen Ort.
6.8. Fahrt nach Mouzon.
An diesem Tag haben wir 11 Schleusen auf dem Weg. Sie sind so gebaut, dass etwa zwei Sportboote mittlerer Größe Platz darin haben. Die Schleuse bei Charleville ist tief und lange Leinen werden benötigt.
In Mouzon legen wir an in einem frisch renovierten kleinen Hafen. Das Büro ist nur wenige Stunden am Tag besetzt. In dieser Zeit ist es möglich zu duschen und Wäsche zu waschen. Wir nutzen beide Angebote und haben schließlich einen Berg frisch gewaschener Wäsche, der bei dem feucht-windigen Wetter am darauffolgenden Sonntag einfach nicht trocken werden will.
8.8. Fahrt nach Dun-Sur-Meuse.
Früh kommen wir bei der Tankstelle einige Kilometer vor unserem Tagesziel an und füllen Diesel. In Dun-Sur-Meuse dann legen wir an, packen unsere nasse Wäsche aus und haben eben auf Deck eine kunstvolle Wäscheleine mit dem Bootshaken als Mast konstruiert, als sich der Himmel schwarz zu färben beginnt. Gerade noch haben wir Zeit, die Wäsche wieder abzunehmen und damit ins kleine Hafenhäuschen zu fliehen, bevor ein gewaltiger Wolkenbruch niederkracht. In einem scheinbar unbenutzten Aufenthaltsraum beginnen wir, die Wäsche aufzuhängen, doch nein, es ist das Büro der Hafenmeisterin, wie sich wenig später herausstellt- Also auch hier kein Glück mit der Wäsche, doch das Wetter ist so unbeständig dass der Wind den Himmel wieder freigepustet hat als wir aus dem Häuschen kommen, und so hat das Wäsche-Drama doch noch ein trockenes Ende.
9.8. Reise nach Verdun.
Hier werden einige Schleusen von jungen Leuten manuell bedient, sie kümmern sich um das Befestigen der Leinen an den Pollern und schrauben an den Schleusentoren und Ventilen.
In Verdun ist der Liegeplatz gratis, und es gibt Wasser und Strom. Für letzteren benötigen wir einen Adapter : Zwei statt drei Stifte am Anschluss.
Bei Leclerq, ca. 1 km zu Fuß vom Hafen, kaufen wir Butangas. Gleich bei der Brücke zur Innenstadt befindet sich ein Waschsalon.
In einem Café an der Hafenpromenade stellen wir aus, und es herrscht südliches Flair, viele Besucher sind da, auch am Abend. Wir bleiben noch einen Tag.
11.8. Fahrt nach Commercy.
Die Schleusen auf diesem Abschnitt sind teilweise manuell bedient, oder wir verwenden die Fernbedienung. Es sind viele Schleusen an diesem Tag, und wir kommen erst spät in Commercy an. Weil es keinen freien Platz am Steg mehr gibt, dürfen wir uns an die Außenseite eines anderen Sportbootes legen. Strom und Wasser bezieht man von einem Automaten, an dem man mit Bankkarte bezahlt. Ansonsten keine Liegegebühr.
12.8. Fahrt nach Toul. Pk 130, Rhein-Marne-Kanal.
Kurz nach Commercy treffen wir auf den Rhein-Marne-Kanal. Nach links, jetzt wieder talwärts, nehmen wir Kurs auf Toul. Bei der großen und tiefen Schleuse n° 14, wenden wir noch einmal unsere bewährte Leinentechnik von Belgien an – zuvor geben wir die geliehene Fernbedienung ab. Ab hier folgt eine Schleusenkette, die per Sensor das Boot registriert und die Kammern genau im Takt vorbereitet. Wir kommen schnell voran, obwohl teilweise nur wenige hundert Meter Abstand zwischen den Schleusen sind.
In Toul kommt der Hafenmeister ans Boot, kassiert die Liegegebühr und gibt einen Code für die Duschen. Der alte Teil von Toul liegt innerhalb einer Festungsmauer mit Graben drum herum. Es hat einen großen Dom und eine etwas kleinere Kathedrale mit einem schönen gotischen Kreuzgang.
13.8. Fahrt nach Nancy, Pk 164.
Die erste Schleuse direkt nach dem Touler Hafen geht auf die Moselle canalisée. Wir fahren zu Tal bis Frouard, dann zu Berg nach links, auf den Canal de la Marne-au-Rhin. Vor Nancy sind zwei Hebebrücken zu passieren. Wir liegen für eine Nacht im Yachthafen und einige von uns bestaunen abends das Lichterspiel auf der Place Stanislas.
Die Duschen befinden sich im Hafenbüro, Zugang während der Öffnungszeiten. Es gibt Strom und Wasser am Steg, sowie einen Waschsalon und meist nordafrikanische Lebensmittelgeschäfte in dem belebten Viertel beim Hafen.
14.8. Reise nach Metz, Mosel-km 298.
Es ist Regenwetter, und kaum ein Schiff begegnet uns heute. Die Sonne kommt heraus, als wir in Metz ankommen. Der Sporthafen Société des Régates Messines liegt bei einem Park, und wenige Minuten geht man längs der Hafenpromenade in die Innenstadt. Sanitäre Anlagen befinden sich auf der Rückseite des Clubhauses und sind mit einem Code zugänglich, den der Hafenmeister ausgibt.
Am folgenden Tag ist Mariä Himmelfahrt. Die Stadt ist voller Menschen, die in einer Prozession von der Kathedrale aus durch den Kern der Stadt ziehen. Abends wird ein Wasser-und Lichtspektakel am Hafen aufgeführt, der Eintritt ist frei.
16.8. Fahrt nach Schwebsange.
Über das Dreiländereck und Schengen geht die Fahrt nach Schwebsange. Hier wird gerade das Sanitärgebäude renoviert. Die Duschen sind schon fertig, und es kommt ein weiteres Stockwerk hinzu.
Den letzten Abend an Bord verbringen wir gemütlich und freuen uns am Schaukeln unseres schwimmenden Häuschens.
17.8. Reise zum Heimathafen Pölich.
Nach einem letzten halben Tag auf nunmehr vertrauten Gewässern kommen wir bei strahlendem Sonnenschein in Pölich an: Jetzt heißt es Gepäck ausladen und die Arcena klar machen für die in diesem Jahr letzte Fahrt.
19.8. Fahrt nach Traben-Trarbach.
Mit einem Bündel Abenteuer in der Tasche übergeben wir die Arcena der Werkstatt von Boote Polch. Vielen Dank für den guten Service, bis nächstes Jahr!




